1332

Bossenhausen

Die Wüstung

Zur Hirrlinger Urpfarrei zählten außer Hirrlingen unter anderem auch Frommenhausen, Schwalldorf, Hemmendorf und die angegangene Siedlung "Bossenhausen". Die Kreisbeschreibung von 1972 erwähnt dazu: "Im Ostteil der Gemarkung steckt vermutlich ein Teil des Wirtschaftslandes der Wüstung Bossenhausen" (Wüstung = aufgegebene Siedlung).

Verschiedene Beiträge von Otto Wetzel in der Rottenburger Post berichten einige Details über den verschwundenen Nachbarort von Frommenhausen, der in der Mitte des Dreiecks Frommenhausen, Dettingen und Hemmendorf gelegen haben soll. Die meisten Flurkarten verzeichnen Bossenhausen noch heute.


Der Hirrlinger Chronist und Familienforscher Oscar Kurz (1890 - 1968) schrieb in »Hirrlingen, ein Kapitel über schwäbische Heimatgeschichte« in einem Beitrag über abgegangene Orte auch über Bossenhausen:

"Östlich von Frommenhausen, etwa in der Mitte des Weges von Schwalldorf nach Hemmendorf, befand sich der Ort Bossenhausen. Spuren auf den Feldern, wo die Siedlung gelegen hat, sind noch vorhanden, jedenfalls nicht bedeutend. Bossenhausen ist von einem Personennamaen Bozzo abzuleiten. Der heutige Gewandname Bossenhausen deckt sich offenbar nicht mit der Lage des einstigen Gehöftes, wohl aber mit einem Teil der Markung des abgegangenen Ortes.
Urkundlich ist Bossenhausen öfter bezeugt.
Anno 1332 verkaufen Dieme der Herter von Dußlingen und sein Sohn Friedrich an das Kloster Kirchberg den hintern Hof zu Bossenhusen, welchen Burkhart Maisenhart von Dettingen und sein Sohn Berthold gegen 4 Malter Roggen jährlich Gült zu Lehen haben um 33 Pfund Heller.
1388 verzichteten Volkart von Ow-Wutfuß, Volkart von Ow-Bodelshausen und Pfaff Hans Siggelsfeld, Kirchherr zu Bodelshausen in einem Vergleich mit der Komthuri Hemmendorf gegen Entschädigung auf den Holzzehnten von Bossenhausen. Zeuge Pfaff Konrad, Kirchherr und Dekan in Mössingen.
Hermann von Ow verkaufte 1383 zwei Jauchert Acker zu Bossenhausen an die Kommende Hemmendorf um 3 Schilling und 3 ½ Pfund Heller.
Anno 1385 verkaufte Hermanli von Ow zu Diessen ebenfalls an die Kommende Hemmendorf resp. an das Seelengerät über Tisch 5 Jauchert Acker in Bossenhausen um 6 Pfund Heller.
Anno 1553 kauft Georg VII von der Prädikatur Balingen 15 Jauchert Acker zu Bossenhausen."


Was weiß man sonst noch:
1633, 15 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, wüteten die Schweden (eine Abteilung des Weimarschen Regiments) in der Gegend um Rottenburg. In Niedernau wurden 30 Häuser abgebrannt, 10 Rottenburger wurden massakriert und auch Dettingen wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. (»Schwedischer Krieg 1630-1635«). In Frommenhausen passierten zwei Morde: Hansjörg Bek wurde am Fastnacht Montag abends durch schwedische Reiter erschlagen und Martin Bek wurde erschossen.

Zu den Kriegsnöten kam in jener Zeit noch die Pest. 1635 forderte die Seuche innerhalb von 4 Monaten in Rottenburg 505 Opfer (Quelle: Oscar Kurz). Wieviele wohl in Frommenhausen und Bossenhausen?

10 Jahre später, 1643, schlug der deutsche Reitergeneral Johann von Werth (genannt: Jan von Werth), der die bayrischen Truppen führte, auf den Feldern zwischen Dettingen und Hemmendorf die Franzosen. Auf dieses Gefecht weisen noch die Flurnamen Siegeltal und Trommelschlegel hin. Es liegt nahe, dass Bossenhausen durch die angrenzende Lage von diesem Umtrieben auch etwas abbekam, vielleicht sogar zu diesem Zeitpunkt dem Erdboden gleichgemacht wurde?
(Französisch-Schwedischer Krieg 1635-1648)
(Achtung: Es handelt sich hier nicht um die in die Geschichte eingegangene »Schlacht bei Dettingen« - 1743 bei Hanau).

Versunkene Dörfer (Bossenhausen bei Frommenhausen)
Schwarzwälder Bote 20.11.2009


Illustration: 1328 history map — showing Europe in the 14th century


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